Der Hochrhein als Standortregion

Wohin kommen die Tiefenlager für hochaktive Abfälle ...

… im Zürcher Weinland oder beim Bözberg? Wohin sollen die abgebrannten Brennstäbe zur Tiefenlagerung gebracht werden? Und in welcher Entfernung zu den Lagerbauten im Erdboden wohne ich?“

Wir haben hier eine Karte veröffentlicht, die Ihnen hilft, solche Fragen zu beantworten. Per Mausklick können Sie sich diejenigen Informationen anzeigen lassen, die Sie interessieren. Blenden Sie im Menu Karten-Elemente die Tiefenlager-Bestandteile oder Umgebungsradien der beiden Standortregionen ein, die Sie betrachten möchten: Durch das Setzen von Häkchen können Sie nach Belieben Elemente anzeigen oder verschwinden lassen. Mit den links im Kartenfeld verfügbaren Pfeile-Tools können Sie Kartenausschnitte wählen bzw. verschieben, mit den Plus- oder Minus-Tools können Sie die Kartenansicht verkleinern oder vergrößern, beispielsweise um eine Gemeinde oder Stadt heranzuzoomen, in der Sie wohnen oder arbeiten.

Weitere Informationen zur Karte finden Sie in untenstehendem Text.

Karte Standortgebiete für HAA-Tiefenlager der Schweiz

Marker Oberflächenanlage

Oberflächenanlage

Marker Standortgebiet

Standortgebiet

Marker Abstandsbereich

Abstandsbereich

Hinweise und Erläuterungen

Der hier veröffentlichten Karte liegt eine Karte der HAA-Standortregionen zugrunde, die die DKST in Zusammenarbeit mit dem Regionalverband Hochrhein-Bodensee nach Veröffentlichung des 2x2-Vorschlags der Nagra (30. Januar 2015) erstellt und im März 2015 herausgegeben hat. Diese Karte können Sie durch Klicken auf die nachstehende Schaltfläche als pdf-Datei herunterladen (in dieser Kartenversion sind die beiden Standortregionen mit den Elementen Geologisches Standortgebiet, Oberflächenanlage und den Umgebungsradien auf Ebenen über die Geobasisdaten gelegt und lassen sich ebenfalls einzeln ein- oder ausblenden; hierzu müssen Sie die Layeranzeige aktivieren).

Was zeigen die interaktiven Karten der Standortregionen?

Dem aktuellen Stand der Suche nach realisierbaren Orten für geologische Tiefenlager zur Entsorgung des Atommülls der Schweiz entsprechend zeigen die Karten die beiden von der Nagra zur vertiefenden Untersuchung vorgeschlagen Standortgebiete im Zürcher Weinland und beim Bözberg zur Lagerung hochradioaktiver, wärmeentwickelnder Abfälle (HAA). Da es sich bei der Nagra-Standortauswahl um einen Vorschlag handelt, der bis voraussichtlich zum Frühjahr 2016 durch Fachbehörden und Experten einer intensiven Überprüfung unterzogen wird, ist der aktuelle Stand der Standortsuche als vorläufig anzusehen. Er kann revidiert werden, wenn die Gutachten etwa des ENSI (Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat) oder der Kantone zu abweichenden Ergebnissen und Bewertungen kommen. Sollte dieser Fall eintreten, würden eines oder mehrere der zur Zurückstellung vorgeschlagenen Standortgebiete (Südranden, Nördlich Lägern, Jura Südfuß oder Wellenberg) entgegen dem Vorschlag der Nagra im Verfahren bleiben und wären in Etappe 3 – wie Jura Ost und Zürich Nordost – geowissenschaftlich vertiefend zu untersuchen. Selbstverständlich werden wir unser Kartenmaterial dem Gang der Standortsuche anpassen, wann immer dies erforderlich ist.
In unserer Karte finden Sie die möglichen Standorte der Oberflächenanlagen (OFA) als rote Punkte eingezeichnet, wie Sie als Ergebnisse der Öffentlichkeitsbeteiligung in Etappe 2 des Sachplanverfahrens gefunden worden sind:

  • das Standortareal JO-3+ auf dem Gemeindegebiet von Villigen beim Standortgebiet Jura Ost
  • das Standortareal ZNO-6b an der Gemeindegrenze von Rheinau und Marthalen im Standortgebiet Zürich Nordost

Auch diese Standorte der Oberflächenanlagen, in denen die anzuliefernden nuklearen Abfälle in Lagerbehältnisse zu konditionieren und umzuverpacken sind und von denen aus sie in die Tiefe verbracht werden, haben den Status von Vorschlägen.

Die Bereiche, in denen untertägig die Lagerstollen gebaut werden können, sind als grüne Flächen gekennzeichnet. Die Ausdehnung dieser Lagerperimeter haben wir entsprechend den Angaben der Nagra im Sicherheitstechnischen Bericht zum 2x2-Vorschlag (vgl. die „Lagerperimeter nach der Optimierung“ in: NTB 14-01, S. 198-201, bzw. in der Nagra-Broschüre Standortgebiete für geologische Tiefenlager. Sicherheitstechnischer Vergleich: Vorschläge für Etappe 3, Januar 2015, S. 34 und 38) in die Karte übertragen; sie beträgt 7,3 km² für das HAA-Projekt Zürich Nordost und 15 km² für Jura Ost. Im Sachplanverfahren selbst wird noch von den größeren Lagerperimetern, die zum Beginn von Etappe 2 festgelegt worden sind, ausgegangen. Jedoch ist in Etappe 3 eher damit zu rechnen, dass weitere Präzisierungen und Einengungen für die Bestimmung der Bereiche unter Tage erfolgen werden, in denen voraussichtlich die Lagerbauten nach Maßgabe der sicherheitstechnischen Anforderungen einmal gebaut werden. Die Tiefenlager werden unter der Erde innerhalb des eingezeichneten Bereichs am Ende also voraussichtlich kleiner realisiert, der hier wiedergegebene Lagerperimeter grenzt also lediglich jenen Raum ein, innerhalb dessen die geologischen Verhältnisse den Bau von Lagerstollen nach jetzigem Wissensstand grundsätzlich zuzulassen scheinen.

Die gesamte Tiefenlager-Infrastruktur, wie sie bislang bekannt und lokalisierbar ist – also die Lagerperimeter gemeinsam mit den ihnen zugeordneten OFA-Standorten –, stellt den Ausgangsbereich dar, um den herum die Entfernungsradien gelegt sind. Damit ist es möglich, innerhalb der Radien mit in Luftlinie messbaren Entfernungen von 5 km, 10 km, 20 km und 30 km abzuschätzen, wie weit einzelne Gemeinden oder Teilorte, Kantone oder Landkreise innerhalb der Region von einem HAA-Tiefenlager entfernt sind.
Was wir in dieser Karte nicht darstellen, ist der derzeitige Partizipationsraum der beiden Standortregionen Zürich Nordost und Jura Ost, mithin der Kreis jener Gemeinden, die gemäß Sachplan als ‚unmittelbar betroffen‘ gelten und die gemeinsam mit den ‚weiteren betroffenen Gemeinden‘ die Mitwirkung von Bevölkerung und Region im Verfahren im Rahmen der Regionalkonferenzen tragen. Denn die Frage, wer im Prozess der Standortsuche gehört werden und mitbestimmen soll und darf, hat mir der Frage zu tun, wer von einem Tiefenlager und seinen tatsächlichen und möglichen Auswirkungen betroffen ist. Antworten auf diese Fragen liegen Wahrnehmungen und Bewertungen zugrunde – und diese Karte will nicht Bewertungen insinuieren, Ihnen wohl aber grundlegende Fakten und Möglichkeiten an die Hand geben: wo in der Region sollen das oder die Tiefenlager dereinst gebaut werden, in welchen Entfernungen befinden sich diese Anlagen von anderen Orten in der Region.

Und jetzt sind Sie dran!

Vielleicht sind Sie einfach neugierig und möchten nachsehen, wo der Atommüll eingelagert werden soll. Vielleicht möchten Sie wissen, wie nah oder fern Sie zu einem Tiefenlager wohnen. Oder ob Sie eine Oberflächenanlage von zuhause aus oder auf dem Weg zur Arbeit sehen. Vielleicht möchten Sie ein wenig mit den Entfernungsradien spielen, um Ihr Gefühl für Distanzen im Grenzraum zwischen der Schweiz und Deutschland – womöglich nicht nur in Bezug auf die Tiefenlagerstandorte – zu schärfen.

Nah oder fern – Sie sehen, eine Karte ist das eine. Was Sie aus ihr herauslesen und mit welchen Worten Sie das benennen, das ist das andere. Es gibt keinen objektiven Maßstab dafür, ob Sie (oder besser: Ihre Enkel…) nah oder fern von einem Tiefenlager wohnen werden. So wenig wie es Kriterien dafür gibt, ob Ihr Wohnort oder Sie persönlich von einem Tiefenlager betroffen sein werden. Glauben Sie es nicht, wenn Ihnen jemand sagt, Sie seien betroffen. Glauben Sie es nicht, wenn Ihnen jemand sagt, Sie seien nicht betroffen. Machen Sie sich selbst ein Bild. Mit der Karte, oder mit offenen Augen auf Ihren Wegen durch diese wunderschöne Landschaft mit zwei großen Flüssen, Bergen, Wäldern, mit Dörfen, Städten und – mit ihren Menschen.

Ihre Wahrnehmung zählt. Und Ihr Interesse.